Johann Ludger Buschmann (1872-1955)
Vorwort
Vor vielen Jahren fand ich in einem Nebenraum der -damals noch existierenden- Schreinerei Buschmann zwei alte, gerahmte Bilder. Sie zeigten (nachbearbeitete) Fotos meiner Urgroßeltern Johann Ludger Buschmann und Johanna Anna Catharina Stiefken aus dem Jahr 1900. Jeder Ahnenforscher kann die Freunde über so einen Fund -der heute mein Wohnzimmer schmückt- sicher nachvollziehen.
1896 gründete Johann seine Schreinerei, die spätere Firma "Joh. Buschmann Mechanische Schreinerei Werden-Ruhr-Land". Die Firma ging von Johann auf seinen Sohn Johann Franz (genannt Hans) und später auf seinen Enkel Karl-Heinz über und bestand bis 1997, also über 100 Jahre! Fünf Häuser baute Johann insgesamt - zwei in Velbert und drei in Essen-Fischlaken. Vier Häuser, darunter mein Elternhaus, stehen heute noch.
Geburt und Jugend
Johann Ludger Buschmann wurde am 19. Januar 1872 als jüngster von vier Geschwistern in Fischlaken geboren. Seine Eltern waren der Bergmann Johann Buschmann (1837-1888) und Maria Christina Fiege (*1836). Zwei Tage später wird Johann in Werden katholisch getauft; Paten sind Catharina Buschmann und Johann Strötgen.
Der Bergbau ernährte Ende des 19. Jahrhunderts zahlreiche Familien im Werdener Land. Johanns Vater, Großvater und Urgroßvater wie auch zahlreiche andere Verwandte übten diesen Beruf aus, der wenig mit dem Bergmann, wie wir ihn heute kennen gemeinsam hat.
Als Johann 13 Jahre alt ist, stirbt seine Schwester Maria Christina im Alter von 16 Jahren. Ein Jahr später heiratet sein älterer Bruder Johann Wilhelm (*1864) in Werden Elisabeth Brust (1865-1915).
Über seine Kindheit und seine Jugend ist mir nichts weiter bekannt. Während der ältere Bruder wie auch der Vater als Bergmann arbeitet, erlernt Johann den Schreinerberuf und wird später Meister. Für den Sohn einer Bergmannsfamilie bedeutete der Meisterbrief im Handwerk sicherlich einen sozialen Aufstieg!
Der Bergmann Johann Buschmann im Werdener Adressbuch von 1889
Familiengründung
Im Alter von 23 Jahren heiratet Johann am 26. Oktober 1895 in Werden Johanna Anna Catharina Stiefken (1873-1947), Tochter des Fabrikarbeiters August Clemens Johann Stiefken und Catharina Elisabeth Hünefeld.
September 1897, zwei Jahre später, kommt als erstes Kind Maria zur Welt. Ihr folgen sechs weitere Kinder: Willibald (1900-1981), Johann Franz (1903-1969), Klara Anna (1904-1979), Max Ewald (1909-1937), Hildegard Katharina (1911-2005) und Clementine Christine (1912-2002).
Die drei Söhne arbeiten später alle im Betrieb des Vaters, sei es als Schreiner oder im Büro.
Ewald stirbt im Alter von 26 Jahren an den Folgen einer Schilddrüsenoperation, Johann Franz (Hans) übernimmt 1946 die Firma.
Häuser, Häuser...
Haus Am Lünink 3, das letzte von Johann Ludger gebaute Haus
Nach der Ehe zog es die junge Familie zunächst ins angrenzende Velbert.
Zwei Häuser (mit angrenzender Schreinerwerkstatt) baute Johann zunächst dort, bis ihn die Familie zur Rückkehr nach Fischlaken ins Werdener Land überredete.
In Fischlaken baute Johann drei weitere Häuser in der gleichen Straße. Die Straße "Am Lünink" (der Name verweist auf den seit 1582 nachweisbaren Kotten "am Luyninck") trug 1903 den Namen Hippenstraße. Bevor die Straße ihren heutigen Namen erhielt, wurde sie noch zweimal umbenannt: in Kaiserstraße und Peterstraße.
Den Erlös beim Verkauf eines Hauses investierte Johann in den Bau des nächsten Hauses.
1914 begann der Bau des fünften und letzten Hauses. Der 1. Weltkrieg zwang zu einer Unterbrechung, erst 1916 konnte das Haus fertiggestellt werden.
Von dem Geld, das aus dem Verkauf des vierten Hauses nach Abzug der Baukosten übrig blieb, wollte Johann Maschinen für die Schreinerei anschaffen. Sorgfältig sah Johann sich um, verglich Angebote. Doch die Zeit lief gegen ihn... Die Inflation nach dem ersten Weltkrieg ließ die Rücklagen schmelzen bis nichts mehr übrig blieb...
Schreinerei Buschmann
Bei jedem seiner Häuser baute Johann Räumlichkeiten für die Schreinerwerkstatt ans/ins Haus.
Beim letzten Haus befand sich die Schreinerei zunächst nur im Keller des Gebäudes. Die Anschaffung von Maschinen und der Ausbau der Schreinerei mußte mangels finanzieller Mittel verschoben werden.
Fast ein Jahrzehnt später, im Sommer 1927, konnte Johann die Maschinen endlich anschaffen. Von der Eisengießerei und Maschinenfabrik Kurt Oelrichs, Steele-Ruhr, erwarb Johann mehrere Maschinen im Gesamtwert von 2.760 Mark: Eine Hochleistungs comb. Fräse, Kreissäge und Langlochbohrmaschine und eine Dicktenhobelmaschine sowie die erforderlichen Drehstrommotoren, Anlasser, Antriebsriemen etc.
Die Maschinen wurden im bestehenden Werkstattraum untergebracht und ein zusätzliches Werkstattgebäude ans Haus angebaut, in dem die Hobelbänke der Schreiner an den Fenstern aufgestellt wurden. An das brummende Geräusch der anlaufenden Maschinen, das in den darüberliegenden Etagen des Hauses zu hören war kann ich mich noch gut erinnern...
Der zweite Weltkrieg und die Bombardierung durch Flugzeuge beschädigt auch Johanns Haus und Werkstatt. Johann bemüht sich bei der Kreishandwerkerschaft um Handwerker, die seine Schäden instand setzen. Diese hält ihm vor, sich der Fliegerschädenbeseitigung zu entziehen und verweist zugleich auf die Zuständigkeit ihrer Bezirks- und Gruppenleiter. Ein heftiger Briefwechsel folgt - letztendlich werden dann die Schäden doch instand gesetzt...
Den Verkauf eines Teils des Grundstücks an einen Wirt aus Solingen muss Johann wieder rückgängig machen, weil der Käufer wegen der Größe des Grundstücks keine Baugenehmigung bekam (heute steht dort ein Doppelhaus...).
Mit Ausnahme von Ewald, der bereits 1937 an den Folgen einer Schilddrüsenoperation verstorben war, überlebt die Familie den 2. Weltkrieg ohne eigene Verluste. 1947 stirbt Johanna Anna Catharina im Alter von 74 Jahren.
1946 überträgt Johann, der inzwischen 74 Jahre alt ist, die Schreinerei auf seinen Sohn, den Schreinermeister Johann Franz Buschmann. Er verkauft das Inventar an seinen Sohn und macht ihm zugleich zur Auflage, ihn auch weiterhin zu beschäftigen:
"Beide Parteien sind darüber einig, dass der Übertragsgeber, der Vater Johann Buschmann, auch weiterhin als Handwerksmeister im Geschäfte tätig bleibt und hierfür eine monatliche Vergütung erhalten soll, deren Festsetzung der Höhe noch näherer Vereinbarung vorbehalten bleibt."
Johann Buschmann stirbt 1955 im Alter von 83 Jahren.
Die Schreinerei Buschmann bestand nach seinem Tod noch 42 Jahre weiter.
Vier der fünf Häuser existieren noch, nur eines der beiden Häuser in Velbert mußte dem Bau einer Eisenbahnbrücke weichen.
Über den Charakter von Johann kann ich nur wenig sagen. Aus Erzählungen weiß ich, dass er nicht unbedingt ein einfacher Mensch war, sondern sehr "dickköpfig" und streitsüchtig sein konnte. Diese Seite soll ihm auch kein Denkmal setzen. Aber ich denke, Johann hat ein bewegtes Leben geführt (das auch von zwei Weltkriegen geprägt wurde) und dass seine Geschichte es wert ist aufgeschrieben zu werden...
